Wer mitzählen wollte, wie oft die Schweizer Boulevardzeitungen und Sonntagsblätter in den letzten Jahren den Untergang von Christoph Blocher herbei schreiben wollten, hat mittlerweile den Überblick verloren. Und obwohl sich der Schweizer Jahrhundertpolitiker Blocher mittlerweile von der Tagespolitik zurückgezogen hat, konzentriert sich der Schweizer Medienmainstream weiterhin auf Blocher als wichtigstes Feindbild. Die hartnäckige Fokussierung auf die Reizfigur Blocher erstaunt, denn unterdessen langweilt sich ein Grossteil der Leserschaft bei den Mantra-mässig publizierten, düsteren Prognosen im Zusammenhang mit dem politischen Wirken des SVP-Politikers.

Soeben sind die neusten Erhebungen der Leserzahlen Schweizer Presseerzeugnisse veröffentlicht worden (MACH-Basic). Viele Schweizer Zeitungen verzeichnen erneut dramatische Einbrüche ihrer Leserzahlen. Das mag viele Gründe haben. Einerseits informieren sich immer mehr Menschen ausschliesslich digital auf ihren Smartphone und Laptops. Und andererseits überfluten Gratiszeitungen zunehmend unsere Städte und erschweren den regulären Verkauf von qualitativen Presseerzeugnissen. Aber vielleicht sollten sich einige Herausgeber und Chefredaktoren trotzdem auch Gedanken über ihre inhaltlichen Stossrichtungen machen. Vielleicht nimmt die Anzahl Leserinnen und Leser zu, die nach 20 Jahren ununterbrochener Blocher-Kritik vielleicht auch einmal objektivere Standpunkte erfahren möchten. Vielleicht ist es kein Zufall, dass zwei Schweizer Presseerzeugnisse aktuell mehr oder weniger stabile Leserzahlen verzeichnen können, die über die grosse Reizfigur Christoph Blocher seit Jahren objektiv berichten. Es sind dies die «Schaffhauser-Nachrichten» und die «Die Weltwoche».

In nur einem Jahr hat die Boulevardzeitung «SonntagsBlick» 56‘000 Leser verloren. Auch dem wochentags erscheinenden Revolverblatt «Blick» kehrten im selben Zeitraum 19‘000 Leser den Rücken. Bei der «SonntagsZeitung» wendeten sich 24’000 Leser ab. Die «NZZ am Sonntag» verlor 51 000 Leser und die Pflichtlektüre aller Staatsakademiker, die «Neue Zürcher Zeitung», verlor 24 000 Leser. Nun wäre es etwas verwegen, die enormen Leserverluste in direktem Zusammenhang mit dem eindimensionalen Themenumgang mit Blochers Politik zu stellen. Aber indirekt gibt es vermutlich doch einen Zusammenhang. Denn es geht um Volksmeinungen. Wer das Volk als Leser erreichen will, muss auch ein Gespür für die echten Sorgen der Bevölkerung haben. Die Schweizer Volkspartei hat dieses Gespür.

Was sind die Sorgen der Schweizerinnen und Schweizer? Viele Menschen machen sich Sorgen um unseren Wohlstand, den die Staatseliten durch eine schleichende Integration der Schweiz in die EU unnötig gefährden. Das Volk macht sich Sorgen um die Lebensqualität. Was nützen uns fortlaufende Gewinnsteigerungen, wenn am Schluss unsere Natur zerstört ist? Das Volk macht sich Sorgen um die Sicherheit. Unsere Nachbarländer verletzen täglich das Dublin-Abkommen, während wir zunehmend im Asylchaos versinken und unsere Gefängnisse zurzeit mit ausländischen Kriminellen überfüllt sind (in Basler hatte ein Gefängnis zeitweise einen Ausländeranteil von 100%). Und weshalb zurzeit sechs Bundesräte freiwillig fremdes EU-Recht übernehmen wollen, obwohl sich die EU weder an Asyl- noch an Verkehrsabkommen hält, wird einem Grossteil der Bevölkerung vermutlich ein Rätsel bleiben.

Solche Themen interessieren sowieso nur wenige Journalisten. Gleich nach den Sommerferien zündete die «SonntagsZeitung» (minus 24‘000 Leser) eine echte Bombe. In einem Interview mit dem liebenswürdigen alt-Bundesrat Ogi gelang es, den Kandersteger gegen Blocher aufzubringen. Ogi bezeichnete die geplante Initiative „Schweizer Recht vor fremdem Völkerrecht“ und die geplante Asylinitiative, die gegen die Verletzung des Dublin-Abkommens vorgehen will, als Katastrophe und Blindflug. Blocher führe das Land mit der Attacke auf die Bilateralen in die totale Isolation, so Ogi. Stoppt den in der SVP niemand Blocher, fragte sich Ogi. Immerhin stoppen Zehntausende von Zeitungsabonnenten solche eintönigen Blocherkritiken.

 

3 Responses to Stoppt den niemand Blocher?

  1. Roost Marcel says:

    Hoi Pentti, herzlichen Dank für die einmal mehr aussage-kräftige und super Kolumne!! Könntest du mir den Link zusenden, woraus zu ersehen ist, wie sich schweizweit die Leserzahlen der Medien verändert haben? Besten Dank und schönes Wochenende. Gruss Marcel

  2. Aellig says:

    Lieber Marcel
    Die MACH-Basic-Studien sind auf http://www.wemf.ch zu bestellen. Eine gute Zusammenfassung gibt es auf:
    http://www.werbewoche.ch/die-verluste-nehmen-zu

  3. Hp Diener says:

    Vielen Dank, sehr geehrter Herr Ällig.
    Es ist genau so wie Sie das beschreiben. Da wird von den Bürgerlichen wie auch von den Linken völlig am Bevölkerungswillen vorbeipolitisiert. Die Einen wollen die kritischen Finanzen der AHV und PK mit endlosem Wachstum sanieren, die Anderen möchten sowieso alles gleichschalten. Nur, wenn die Sozis die Papierlosen in Kirchen verstecken können, sind sie sich einig.
    Dabei vergessen die, dass die Zuwanderung in Deutschland, Frankreich, Belgien ca 0.2% und in der Schweiz 1% ist. Sie vergessen, dass die genannten Länder ca 30% Agrarfläche, die Schweiz 10% davon hat.
    Wenn ein von Europa zu lange nicht bemerkter Finanzskandal wie in Griechenland auffliegt, rennt die Merkel zu Sakosy, um die Sache zu besprechen. Dann werden noch die abhängigen Spanier und Portugiesen ins Boot genommen und alle anderen sind überstimmt. Das ist Europa. Dann findet der Ober-Gaukler auch noch, dass die Schweiz zuviel Demokratie hat.
    Und ohne Blocher wären wir in Europa. Blocher sei Dank. Obwohl es ja nur das kleinere Übel ist.
    Man spricht immer von dem schlauen Fuchs. Über die dummen Hühner spricht keiner. Die SVP hat nur so einen Zulauf, weil die Anderen zu ängstlich oder zu gierig sind. Eben wie Hühner so sind. Das macht den Blocher nicht besser, nur weniger übel. Beschämend für die, die Angst vor ihm haben.

    Besten Dank Herr Ällig. Ihre Meinung hat gut getan

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