Kolumne vom 3. Januar 2015 in den “Schaffhauser-Nachrichten”

Ein neues Jahr soll man prinzipiell mit positiven Wünschen starten. Deshalb beginnt mein Kolumnenjahr nicht mit einer meiner Kritiken an unserer wachsenden Überverwaltung. Zwar werde ich jeweils für diejenigen Kolumnen gelobt, die sich für weniger Staat und mehr Freiheit einsetzen. Trotzdem. Das neue Jahr soll mit positiven Wünschen beginnen – mit drei persönlichen Vorsätzen für das 2015.

Der letzte Tag des Jahres verabschiedete sich mit einer grandiosen Abendstimmung. Die 4000er-Berggipfel der Walliser Alpen leuchteten in roten Farbtönen. Unten lag das Goms im violetten Nebel. Über dem Matterhorn hing der weiss strahlende Mond. Solche grandiosen Naturkulissen lassen alle Wünsche und Vorsätze ziemlich unwichtig erscheinen. Aber auch wenn die persönlichen Mikroziele noch so unbedeutend erscheinen – sie helfen, im neuen Jahr festgefahrene Mechanismen zu durchbrechen.

Vorsatz 1: Zum atemberaubenden Hochgebirgspanorama, das seine heutige Form bereits vor rund 35 Millionen Jahren gebildet hat, setzte ich bewusst einen etwas kurzfristigeren, weniger monumentalen Vorsatz: Ich möchte meinen aktuellen Body-Mass-Index von 25,1 auf 23,4 reduzieren. Diesen Vorsatz konnte ich zwar bereits im vorletzten Jahr umsetzen. Aber dann wurde leider die gesamte Gewichtsreduktion im letzten Jahr wieder eliminiert. Besonders ärgerlich: Ab Body-Mass-Index 25,0 beginnt der Bereich Übergewicht. Eine Differenz von nur 0,1 trennt mich vom Normalgewicht. Mitschuldig an diesem ärgerlichen Umstand ist sicherlich auch der Wirt des Gennersbrunnerhofs mit seinen Gerichten aus Dörflinger Wild.

Vorsatz 2: Jetzt wird es deutlich ambitiöser. Neulich hatte mir ein Schaffhauser Linkspolitiker vorgeworfen, dass ich in meinen Aussagen viel zu stark das Trennende gewichte. Nur wenn die beiden politischen Pole von links und rechts jeweils einen möglichen Konsens im Auge behalten, sei eine langfristig erfolgreiche Politik möglich, so seine Meinung. Mehr Toleranz. Mehr Konsens. Die Argumente des politischen Gegners objektiver prüfen. Und sich zur Abwechslung auch in die Lage des politischen Gegners versetzen. OK. Mein zweiter Vorsatz für 2015 ist, mich intensiver mit den Beweggründen der Linkspolitik auseinander zu setzen, Antworten auf Fragen zu suchen. Wo liegen die Vorteile von Umverteilung und Zentralisierung? Wird das Potential des Individuums durch die wachsende, staatliche Bevormundung nicht eingeschränkt? Vielleicht gelingt es mir sogar, einige Schaffhauser Linkspolitiker davon zu überzeugen, dass der moderne Bürger durch ein Maximum an Freiheit und Eigenverantwortung mehr zum Allgemeinwohl beitragen kann.

Vorsatz 3: Vor rund 30 Jahren war es für uns junge Dörflinger üblich, als Backpackers durch exotische Gegenden zu reisen. Unsere damaligen Traumziele waren das indische Goa, die philippinische Trauminsel Boracay oder das thailändische Ko-Samui. Und alleine an den Stränden Australiens und Neuseelands verbrachten wir mehrere Monate. Für uns war es selbstverständlich, dass wir uns frei bewegen konnten. Einige Jahre später bereiste ich das kommunistische Vietnam. Damals musste man als Individualreisender für ein Einreisevisum eine exakte Reiseroute mit den jeweiligen Stationen einreichen. Das Land war wunderschön. Und die Leute enorm freundlich. Seit dieser Reise bewundere ich die beiden genialen Strategen Ho Chi Minh und General Vo Nguyen Giap. Beide hatten massgeblich geholfen, Vietnam zu vereinen und aus dem Würgegriff fremder Kolonialmächte zu befreien. Seit dieser Reise kenne ich aber auch die Resignation eines Volkes unter sozialistischer Führung. Mein dritter Vorsatz für 2015 ist, eines der letzten, kommunistischen Länder zu besuchen. Kuba, das seinen Bürgern vermutlich bald die Freiheiten der westlichen Welt erlauben wird, würde ich mir gerne noch im jetzigen Zustand anschauen. Selbst als überzeugtes Mitglied der Schweizerischen Volkspartei bin ich davon überzeugt, dass es auch in einem kommunistischen Land wie Kuba irgendwelche Vorteile für seine Bürger geben muss.

 

 

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