Kolumne vom 19. März 2016 in den “Schaffhauser-Nachrichten”

Zwischen der Siblinger Höhe und Schleitheim zweigt ein kleines Strässchen nördlich ab ins Babental. Der Weg ist eng und führt entlang dichter Hecken, kleiner Bäche und grünen Weiden mitten in die einmalige Randenlandschaft. Im Nordosten ziehen weisse Wolken über die Bergkuppen des Schleitheimer Randens. Mächtige Eichen markieren die Wegabzweigungen. Zu hinderst im Tal sieht man bereits von weitem die Alp Babental. Das Alprestaurant und die umliegenden Gebäude sind umgeben von weitläufigen Weiden, die sich bis zu den Waldrändern hochziehen. Etwa 160 Rinder geniessen den Sommer auf dieser Alp. Unter den Tieren befinden sich auch einige besonders schöne, hochprämierte Rinder aus Dörflinger Zucht. Falls jemand in seinem nächsten Leben als Rind ins Babental hineingeboren wird, hat er weiss Gott nicht das schlechteste Los gezogen.

Alphirt und Pächter des Restaurants ist der Obertoggenburger Heiri Roth. Bei Roth spürt man seinen voralpinen Ursprung. Er ist ein freundlicher, offenener und ruhiger Mensch. Die wortgewaltige Schilderung der momentanen Sachlage liegt ihm nicht besonders. Als Autoverkäufer würde er sich kaum eignen. Roth hatte bereits früher eine Alpwirtschaft betrieben – am Fusse des Säntis. Dass er seine Aufgabe als Wirt und Hirt gut macht, hat sich in Schaffhausen längst herumgesprochen. Sein Arbeitgeber ist die Alpgenossenschaft Babental und die Genossenschaftler finden nur positive Worte über Heiri Roth. Auch zufrieden mit dem symphytischen Obertoggenburger sind viele Schaffhauser Wanderer und Ausflügler, die gerne im Alprestaurant einkehren.

Am Dienstag dieser Woche spürt man im Babental bereits den Frühling. Im Restaurant studieren über Mittag manche Besucher die umfassende Speisekarte. Älplermakkaroni, Röstigerichte, Fleischgerichte vom Rind, Kalb oder Wild, feine Tagesmenüs oder ein Buffet mit frischen Salaten stehen im Angebot. Vom Schwein gibt es Steaks vom Hals, Koteletts mit hausgemachtem Kräuterbutter, Cordonbleu, Schnitzel paniert oder in Rahmsauce. Die aufgestellte, norddeutsche Serviertochter ist nicht nur bildhübsch, sondern bedient die Gäste auch äusserst aufmerksam.

An diesem Dienstag, kurz nach zwölf Uhr, fährt auch ein weisser VW-Bus über den Lochacker hoch Richtung Alp. Im Kleinbus sitzen sieben junge Schweizer Zivilschützer. Sie leisten zurzeit im Ausbildungszentrum Oberwiesen ihren Einsatz. Jetzt haben sie Hunger. Alpwirt Heiri Roth und sein Team dürfen regelmässig für das Amt für Militär und Zivilschutz die Mittagsmenüs zubereiten. Vielleicht haben sich einige der hungrigen Zivilschützer auf die feinen Rahmschnitzel oder auf ein knuspriges Cordonbleu vom Schwein gefreut. Leider können in diesem Fall weder die hübsche Serviertochter noch der Alpwirt weiter helfen – auf oberste Weisung der kantonalen Verwaltung des Amtes für Militär und Zivilschutz. Schweinefleisch darf den Zivilschützern seit neustem nicht mehr angeboten werden. Aus Rücksicht auf die islamischen Mitbürger muss deshalb im Babental bei Menüs für den Zivilschutz grundsätzlich auf Schweinefleisch verzichtet werden. Dass heute gar keine Moslems anwesend sind, spielt dabei keine Rolle. Die Unterordnung des Christentums unter den Islam wird vom Kanton Schaffhausen generalstabsmässig umgesetzt. Der Islam ist auf der einzigen Alp Schaffhausens angekommen.

Zwei weitere Jahre sind vergangen. Wir schreiben das Jahr 2018. Erneut haben die ersten Frühlingsboten das Babental erreicht. Ein kleiner, gelber Fiat flitzt die kleine Strasse zur Alp hoch. Oben angekommen, schleppt der Pöstler ein grosses Packet ins Restaurant. Absender: Kantonale Verwaltung, Amt für Militär und Zivilschutz. Heiri Roth öffnet erstaunt das Packet. Darin befindet sich ein ganzer Stapel neuer Gebetsteppiche. Zusätzlich wurden noch selbstklebende Pfeile angeliefert. Diese sollen an die Restaurantdecke angebracht werden, damit sie den Standort Mekkas anzeigen können. Mit der entsprechenden App kann die korrekte Pfeilrichtung kinderleicht bestimmt werden. Somit wäre die beliebte Schaffhauser Alp definitiv interreligiös zertifizierbar.

 

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