Kolumne vom 6. August 2016 in den “Schaffhauser-Nachrichten”

Bei Verenafohren, direkt über Merishausen, entstehen bekanntlich nur wenige Meter neben unserer Kantonsgrenze auf deutschem Gebiet jene gigantischen Windräder, die sogar den Hagenturm überragen werden. Mitfinanziert werden die Monsterturbinen mit dem Geld der Schaffhauser Steuerzahler und Stromkonsumenten. Selbstverständlich wurde die Schaffhauser Bevölkerung über die Investition in Verenafohren nicht befragt.

Das nächste Projekt heisst Windpark Chroobach. Federführend sind dabei wieder dieselben Politiker, die bereits mehrfach mit abenteuerlichen Energieprojekten unzählige Steuermillionen in den Sand gesetzt haben. Beim geplanten Windpark scheint es aber nun Widerstand zu geben. Das kleine, störrische Dorf Hemishofen will sich ihren Chroobach, ihren wunderschönen Hügelzug entlang des Rheins, nicht verschandeln lassen. Deshalb hat der Gemeinderat beschlossen, bereits aus der Vernehmlassung des Vorprojektes auszusteigen. Und die Hemishofer Bevölkerung ist ihrem Gemeinderat bei einer Konsultativbefragung deutlich gefolgt. Sie wollen keinen Windpark.

Jetzt starten Schaffhausens Ökostrompolitiker in Hemishofen eine Projektoffensive, die in unserem Kanton alle bisherigen Dimensionen sprengen wird. Basis für das Windparkabenteuer ist zwingend eine Zonenplanänderung und eine Baubewilligung der Gemeinde Hemishofen. Ohne Zonenplanänderung hat das Projekt mit den Monsterturbinen keine Chance. Deshalb muss nun die Gemeinde subtil mit Argumenten und viel Steuer- und Stromgeldern positiv beeinflusst werden. Man munkelt, dass sich die Verantwortlichen alleine das Vorprojekt fast 900‘000 Franken kosten lassen. Die Generis AG, die bei solchen Projekten meistens mitverdient, soll fast 200‘000 Franken für die Mithilfe am politischen und technischen Prozess einstreichen. Einzelne Bürger sollen dank gut honorierten Sitzungsgeldern in eine positive Stimmung zum Windpark herangeführt werden. Die teure Beeinflussung der lokalen Bevölkerung heisst offiziell Begleitprozess. Dazu gehört übrigens auch die Beobachtung der armen Chroobacher Fledermäuse – alleine dafür sollen über 60‘000 Franken gesprochen worden sein. Geld spielt offenbar keine Rolle.

Nähere Bekanntschaft wird die Bevölkerung von Hemishofen zunehmend mit Ursula Dubois machen. Die gute Frau kostet auch mehrere zehntausend Franken und ist spezialisiert auf die Beratung von Verwaltungen in den Bereichen Sozial- und Politikmanagement. Gemäss Firmenprofil setzt Frau Dubois ihren Schwerpunkt auf „unkonventionelle Ansätze für Politkampagnen“. Auf Frau Dubois darf man besonders gespannt sein. Etwas weniger geheimnisvoll beschreibt EKS-Chef Thomas Fischer diesen Begleitprozess: Fischer redet ganz einfach von einer „Charmoffensive“.

Nun, wir sind gespannt, ob die Gemeinde Hemishofen durch diesen kostenintensiven Begleitprozess geistig umgedreht werden kann. Vermutlich wird das ganze Vorprojekt aber ein hoffnungsloses Unterfangen. Man kann davon ausgehen, dass sich die gesamte Kampagne, die schlussendlich der Stromkonsument zahlen muss, in einem weiteren Totalabschreiber enden wird. Aber alles halb so schlimm – die Schaffhauser Bevölkerung hat sich mittlerweile an die „Schaffhauser Energiewende“ gewöhnt. Die Fernsehübertragungen der Olympischen Spiele in Rio bleiben dank ausländischen Atom- und Kohlenkraftwerken gewährleistet.

Die Umsetzungschancen für den Windpark Chroobach werden schlussendlich gleich Null sein. Einerseits wegen der drohenden Zerstörung der Rheinlandschaft. Und andererseits, weil sich Windräder nur rechnen, wenn möglichst hohe Subventionen (KEV) fliessen. Die produzierte Energiemenge ist schlicht zu klein, dass Chroobach einen nachhaltigen Beitrag an die Energiewende leisten könnte. Damit der Windpark für das EKS genügend Geld einspielen könnte, wird jetzt schon auf eine deutliche Erhöhung des KEV-Zuschlages spekuliert, welche mit der neuen Energiestrategie kommen soll. Aber bereits am 19. August beraten die ersten Parteien über ein Referendum, bei dem sich vermutlich die Intelligenz der Volksmehrheit durchsetzen wird.

 

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